Moskau DE_F0419 10. Juli 2018, 15:12

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IMPRESSUM: Nelles Pocket: Moskau

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ISBN 978-3-86574-594-1

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IMPRESSUM / KARTENLEGENDE

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MOSKAU

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Höhepunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Einstimmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Geschichte im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

FEATURES

Am Abend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Einkaufen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

Moskauer Zirkus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Die Metro. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Russische Küche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

MOSKAU INNENSTADT

Kreml . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Rund um den Roten Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Basilius-Kathedrale. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

GUM und Historisches Museum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Kitaj-Gorod. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

Vom Manegeplatz zum Bolschoj-Theater. . . . . . . . . . . . . . . . 41

Lubjankaplatz, Neuer Platz, Alter Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

MOSKAU BOULEVARDRING

Tverskaja und Puschkinplatz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

Bolschaja Nikitskaja Ulica. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

Arbat. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51

Moscow City. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

Puschkin-Museum für Bildende Künste. . . . . . . . . . . . . . . . . 52

Zamoskvoretschje und Tretjakov-Galerie. . . . . . . . . . . . . . . . 54

Auf der Moskva . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . 59

MOSKAU AUSSENBEZIRKE

Gorkij-Park . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

Sperlingsberge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

Neujungfrauenkloster. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

Andronikov-Kloster, Andrej-Rubljov-Museum. . . . . . . . . . . . . 66

Kolomenskoje. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

Ostankino . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71

INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . 75

DER GOLDENE RING

Sergijev Posad. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

Vladimir. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

Suzdal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

Pereslavl-Zalesskij . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84

Rostov Velikij. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

Jaroslavl. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87

INFO: Sehenswürdigkeiten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89

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INHALTSVERZEICHNIS

REISE-INFORMATIONEN

Vorbereitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Lage / Klima . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Visum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Zoll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Flughäfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

Öffentliche Verkehrsmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

Stadtrundfahrten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Taxi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Praktische Tipps. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Autovermietung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Fotografieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Geschäfts- / Öffnungszeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Kriminalität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Medizinische Hilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Netzspannung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Preisniveau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Telekommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Touristen-Information . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Trinkgeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Währung / Geldumtausch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Adressen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Botschaften in Moskau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Botschaften in D, A, CH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94

Internet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94

Kleiner Sprachführer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94

Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96

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REISE-INFORMATIONEN

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GUM

GUM

Das GUM elegantes Einkaufsambiente im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

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Höhepunkte

HÖHEPUNKTE

Moskau

xxKreml (S. 27): Seit Jahrhun-derten das weltberühmte Symbol und Zentrum der Macht Russlands.

xxMariä-Entschlafens-Kathed-rale (S. 29): Die wichtigste Kathed-rale des alten Russlands hier wurden alle Zaren gekrönt.

xxRüstkammer (S. 33): Dia-mantkronen, Krönungsroben, Parade-kutschen und die legendären Faber-gé-Eier gehören zu den Exponaten.

xxRoter Platz (S. 33): „Rot“ stand im Altrussischen für „schön“, der prachtvolle Platz, umgeben von his-torischen Gebäuden, ist Anziehungs-punkt für Tausende Besucher.

xxBasilius-Kathedrale (S. 35): Ihre Kuppeln scheinen ineinander ver-woben zu sein, keine gleicht der ande-ren ein unbedingtes Muss für jeden Moskau-Besucher.

xxKitaj-Gorod (S. 38): Kleine Kirchen und das älteste Wohnhaus der Stadt findet man beim Bummeln durch den alten Bezirk hinter dem Kaufhaus GUM.

xxPuschkin-Museum für Bilden-de Künste (S. 52): Größte Samm-lung westeuropäischer Kunst in Mos-kau.

xxTretjakov-Galerie (S. 56): Eine der größten Sammlungen russi-scher Kunst seit dem 11. Jh. Berühmt ist die herrliche xxIkonensamm-lung.

xxNeujungfrauenkloster (S. 62): Das prächtigste der ehemaligen Wehrklöster, die Moskau umgeben, spielte eine große Rolle in der russi-schen Geschichte.

xxKolomenskoje (S. 68): Frei-lichtmuseum mit der schönsten Zelt-dachkirche Russlands am Ufer der Moskva, uraltem Baumbestand und malerischen Holzhäuschen.

xKaufhaus GUM (S. 37): Das monumentale Gebäude mit der ein-drucksvollen Fassade und den vielen Nobelboutiquen lässt die Herzen von Shoppingfans höher schlagen.

xMajakovskij-Museum (S. 45): Im Wohnhaus des bekannten Schrift-stellers und führenden Vertreters des russischen Futurismus wurde eine ori-ginelle Ausstellung im konstruktivisti-schen Stil eingerichtet.

Goldener Ring

xxDreieinigkeits-Sergiuskloster (S. 78) in Sergijev Posad: Seit der Gründung im 14. Jahrhundert ist die-ses eines der drei wichtigsten Klöster des Landes.

xxMariä-Entschlafens-Kathed-rale (S. 82) in Vladimir: Die reich ge-schmückte Kathedrale aus dem 12. Jh. wurde zum Vorbild für die gleichna-mige Moskauer Krönungsstätte der Zaren.

xxDemetrius-Kathedrale (S. 82) in Vladimir: Die zweite altehr-würdige Kathedrale der Stadt weist herrliche Fresken auf.

xxMariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche (S. 82) in Bogoljubovo: 10 km östlich von Vladimir befindet sich die-se reich mit Steinreliefs geschmückte Kirche von 1165.

xxSuzdal (S. 82): Zahlreiche his-torische Bauwerke bezeugen die eins-tige Bedeutung der Stadt, darunter die herrliche Maria-Geburts-Kathedrale.

xxKreml (S. 86) in Rostov Veli-kij: Das einzigartige Bauensemble aus dem 17. Jh. war Wohnsitz der Rostover Metropoliten.

Rechts: Neun goldene Kuppeln krönen die Maria-Verkündigungs-Kathedrale im Kreml.

Foto: Günter Gräfenhain (Schapowalow)

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Einstimmung

EINSTIMMUNG

Das Ziel hieß: Moskau! Als Napole-on 1812 in Russland einmarschierte, wusste er, dass er mit der Eroberung Moskaus das Zarenreich mitten ins Herz treffen würde, obwohl die Stadt an der Moskva schon lange nicht mehr die Hauptstadt war. Regierungssitz wurde Moskau erst 1918 wieder, unter den Sowjets. Die Herren im Kreml setz-ten damals alles daran, um aus „Müt-terchen Moskau“ eine sozialistische Vorzeigestadt zu machen. Ganz ist das aber zum Glück nie gelungen, obwohl etliche Wohnviertel durch Plattenbau-ten ersetzt wurden und viele der einst „40 mal 40“ Kirchenkuppeln aus dem Stadtbild verschwanden.

Seit Mitte der 1990er Jahre setzen die neuen Machthaber viel Geld ein, um der größten Stadt Europas ein wür-diges Gesicht zu geben. Wer die Stadt noch aus der Breshnev-Ära kennt, kann nur staunen: Die schlimmsten Bausünden in der Innenstadt sind ver-

schwunden, und die historische Bau-substanz erstrahlt in frischem Glanz. Neubauten in Kremlnähe passt man stilvoll der Umgebung an, und ganze Stadtviertel mit modernsten Wolken-kratzern entstehen. Gepflegte Grün-anlagen lockern das Bild auf. Lediglich einige Plattenbauten am Stadtrand erinnern heute noch an sozialistische Zeiten.

Moskau (ca. 12 Mio. Einw., 1081 km2) ist bunt, hektisch und er-schöpfend, will auf- und überholen. Ein Ort der Gegensätze: Die einen le-ben ihren Reichtum offen aus, die an-deren halten verschämt die Hand für eine Spende auf. Endlose Staus sind die Regel gäbe es nicht die Metro, die täglich 9 Mio. Fahrgäste befördert, wäre die Stadt längst kollabiert. Doch vor allem ist Moskau eine Metropole, die Kunst und Kultur vom Feinsten, Kulinarisches der Extraklasse und ein aufregendes Nachtleben bietet eine facettenreiche Weltstadt, die eine Er-kundung lohnt.

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Foto: Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin

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1147 Erste Erwähnung Moskaus, das zu jener Zeit nur eine Holzfestung besitzt.

1156 Fürst Dolgoruki lässt den Borovickij-Hügel zu einer Holzfestung ausbauen.

1237 Das Mongolenheer unter Batu Khan nimmt Moskau ein.

seit 1263 Moskau entwickelt sich zum Machtzent-rum unter den Fürstentümern.

1328 Ivan I. wird vom mongolischen Groß-Khan zum Großfürsten ernannt und verlegt seinen Sitz von Wladimir nach Moskau. Auch der Metropolit (kirchlicher Statthalter des Patriarchen von Byzanz) lässt sich in Moskau nieder. In der Stadt leben 30 000 Menschen.

1331 Ein Großbrand verwüstet Moskau. Wiederauf-bau der Stadt und des Kremls.

1380 Ivans Sohn Dimitrij besiegt die „Goldene Horde“ der Mongolen in der Schlacht auf dem Kulikovo-Feld. Die Mongolen üben bittere Rache, doch der Ruf der Unbesiegbarkeit der Goldenen Horde ist zerstört.

1462-1505 Herrschaft lvans III. Er befreit Russland endgültig vom Joch der „Goldenen Horde“ und wird zum Begründer des modernen russischen Staats-wesens. Durch die Heirat mit Sophia, der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, sichert er Moskau die Nachfolge als Zentrum der orthodoxen Christen-heit („Drittes Rom“). Unter Ivan III. erhält der Kreml z. T. seine heutige Gestalt.

1547-1584 Unter Ivan IV. (Ivan der Schreckliche) dehnt sich das Russische Reich bis zum Ural und zum Kaspischen Meer aus. Ivan lässt die Basilius-Kathedrale erbauen. Die Grausamkeiten, die er ge-genüber tatsächlichen und vermeintlichen Feinden verübt, stürzen Russland in eine innenpolitische Krise.

1584-1612 Erbstreitigkeiten, Hungersnöte und soziale Unruhen führen zu einer Zeit der Wirren. Kurzzeitige polnische Fremdherrschaft.

1612 Das russische Heer vertreibt die Polen; der 16jährige Michail Romanov wird zum Zaren ge-wählt. Eine rege Bautätigkeit beginnt.

1652 Alle Ausländer müssen in die Nemezkaja Slo-boda (deutsche Vorstadt) ziehen.

1671 Ein Volksaufstand unter Stenka Razin wird niedergeschlagen, Razin hingerichtet.

1689-1725 Herrschaft von Peter I. (Peter der Große). Er fördert die Wirtschaft und reformiert das Bildungs-wesen ein. 1712 erklärt er das neu gegründete St.

Petersburg zur Hauptstadt.

1755 Gründung der Lomonosov-Universität.

1762-1796 Herrschaft von Katharina II. (Katharina die Große).

1773-1775 Die sozialen Missstände entladen sich in einem Bauernaufstand, der blutig niedergeschla-gen wird.

1812 Napoleon besetzt Moskau. Ein Brand vernich-tet 70 % der Gebäude. Russische Truppen besiegen die napoleonische Armee.

1824 Malyj- und Bolschoj-Theater eröffnen.

ab 1816 Adlige Revolutionäre planen einen Auf-stand, um eine Verfassungsänderung und die Abschaffung der Leibeigenschaft durchzusetzen. Sie verweigern dem noch nicht gekrönten Zaren Ni-kolaus I. die Gefolgschaft. Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen.

1851 Bahnlinie Moskau St. Petersburg eröffnet.

1861 Alexander II. hebt die Leibeigenschaft auf. Landlose Bauern strömen nach Moskau, Demonst-rationen werden niedergeschlagen.

1914 Ausbruch des 1. Weltkriegs.

Geschichte im überblick

Katharina II. ließ Moskaus Straßen pflastern und eine Trinkwasserleitung bauen.

Foto: Aksenovko (iStockphoto.com)

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1917 Große Sozialistische Oktoberrevolution. Der letzte Zar, Nikolaus II., dankt ab. Lenin, Trotzki und Stalin übernehmen die Regierung.

1918 Moskau wird Regierungssitz. Ermordung der Zarenfamilie Romanov.

1921 Lenins Neue Ökonomische Politik bewirkt ei-nen wirtschaftlichen Aufschwung.

1923 Moskau wird Hauptstadt der UdSSR; das Rie-senreich besteht aus 15 Teilrepubliken.

1924 Tod Lenins. Erste „Säuberungsaktionen“ unter Stalin.

1935 Generalplan zur Umgestaltung Moskaus: Das Ringsystem wird ausgebaut, Bau der ersten Metroli-nie und des Moskva-Wolga-Kanals.

1931-1953 Stalin-Diktatur. Der Sozialistische Rea-lismus ist einzige politisch erwünschte Kunstform, viele Künstler emigrieren.

1941 Hitlers Truppen dringen bis nach Moskau vor. Der harte Winter und die heftige russische Gegen-wehr zwingen sie jedoch bald zum Rückzug.

1953-1964 Nach Stalins Tod regiert Nikita Chru-schtschov. Beginn der Entstalinisierung.

1961 Jurij Gagarin fliegt als erster Mensch ins Weltall.

1962-1985 Unter Breshnev, Andropov und Tscher-nenko wird die Stalin-Zeit totgeschwiegen, das geistig-kulturelle Leben reglementiert.

1980 Olympische Sommerspiele in Moskau. Sie werden vom Westen wegen des sowjetischen Ein-marschs in Afghanistan boykottiert.

1985 Michail Gorbatschovs Politik der Perestrojka (Umgestaltung) legt den Grundstein für die Auflö-sung des Ostblocks und die spätere deutsche Wie-dervereinigung.

1991 Militärputsch. Boris Jelzin, Präsident der Rus-sischen Teilrepublik, greift ein. Ende des Jahres tritt Gorbatschov, Präsident der Sowjetunion zurück, Jelzin wird sein Nachfolger.

ab 1992 Machtkämpfe und Bürgerkriege erschüt-tern die früheren Sowjetrepubliken.

1994 Wirtschaft und Politik stecken in der Krise. Der Tschetschenien-Krieg beginnt.

2000 Vladimir Putin wird Präsident.

1999-2004 Terror erschüttert Moskau: Bomben-anschläge, Selbstmordattentate, Geiselnahme in einem Theater. Tschetschenische Rebellen stehen unter Verdacht.

2002 Dem letzten landesweiten nichtstaatlichen Fernsehsender TV6 wird die Lizenz entzogen. Alle Medien sind nun staatlich kontrolliert.

2004 Wiederwahl Putins mit großer Mehrheit.

2005 Grundsteinlegung für den 448 m hohen Federacija-Turm in Moscow City.

2006 Der Auftragsmord an der Journalistin Anna Politkovskaja sowie der Vergiftungstod des Putin-Kritikers Alexander Litvinenko säen Zweifel am Zustand der Demokratie in Russland.

2007 Zarizyno (Tsarytsino), Katharinas unvoll-endetes Schloss in einem schönen Park im Süden Moskaus, wird nach Rekonstruktion wiedereröffnet.

2010 Waldbrände rund um Moskau. Bürgermeister Lushkow wird entmachtet und S. Sobjanin, eben-falls von der Partei „Einiges Russland“, sein Nachfol-ger. Moskau hat nun 11,8 Mio. Einwohner.

2011 Bei einem Anschlag auf dem Flughafen Do-modedovo sterben 35 Menschen.

2015 Das Museum für zeitgenössische Kunst „Gara-ge“ eröffnet im Moskauer Gorki-Park.

2018 Fußball-Weltmeisterschaft in Russland; u.a. die Eröffnung, das Halbfinale und das Finale finden in Moskaus Olympiastadion Luschniki statt.

Geschichte im überblick

Im Jahr 2000 wurde Vladimir Putin zum mächtigs-ten Mann Russlands.

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Am Abend

MOSKAU AM ABEND

Wohin in Moskau am Abend? Der Text des bekannten Volksliedes „Mos-kauer Abende“ hilft bei dieser Frage nicht, denn darin werden genau ge-nommen die stillen, beschaulichen „Abende am Stadtrand von Moskau“ besungen.

In der Sowjetzeit wäre Einheimi-schen auf diese Frage vielleicht zuerst ein Kinobesuch eingefallen. Zur Aus-wahl standen auch Klubs, in denen sich Jugendliche oder Angehörige bestimmter Berufsgruppen trafen; oder eines der wenigen erträglichen Restaurants, in denen man sich nach einem Mehrgangmenü und angefeu-ert von Wodka bei ohrenbetäubender Live-Musik die Kalorien wieder von der Hüfte rocken konnte.

Jedoch hat sich wohl keine europäi-sche Stadt in den letzten Jahren so ver-ändert wie Moskau. Ein 10-Millionen-, inoffiziell sogar ein 14-Millionen-Ko-loss, genau weiß es niemand. Moskau pulsiert zu jeder Tageszeit, strahlt Ak-tivität und Dynamik aus. Die biedere sowjetische Tünche ist weggewischt, der einst verpönte Kapitalismus wird mit all seinen Vor- und Nachteilen ge-lebt; Moskau ist elegant und prickelnd besonders am Abend.

Rundfahrt durch das

nächtliche Moskau

Eine Rundfahrt „Moscow by night“ wie sie z. B. am Roten Platz lautstark angeboten wird, zeigt das neue Mos-kau: Hausfassaden, die so ausgetüftelt angestrahlt sind, dass ihre bei Tages-licht flachen Pilaster wie halbrunde Säulen erscheinen, Lichterketten an Brücken spiegeln sich im Wasser, auf-blitzende Leuchtreklamen werben für

Casinos und Nachtbars. Besonders der Neue Arbat, der einmal Kalininpro-spekt hieß und in der Breshnev-Zeit eine völlig reizlose Vorzeigestraße war, verdeutlicht die neue Lust am Laster und erinnert ein klein wenig an Las Ve-gas. Auf dem Manegenplatz demons-trieren bunt bestrahlte Springbrun-nen eindringlich, dass in dieser Stadt nicht gespart wird: ein bisschen Weih-nachtsflair das ganze Jahr hindurch.

Ballett und Theater

Eine konstante Größe im Abend-programm ist die Welt der klassischen Musik. Zwar sind die Eintrittspreise be-sonders für Ballett und Oper (weniger für Konzerte) in für Einheimische ast-ronomische Höhen gestiegen (Auslän-der zahlen noch mehr), aber für Rent-ner gibt es ein Kontingent spezieller „Sozialkarten“. Mit solchen Karten darf man sich in den Logen hinter die letz-ten Stuhlreihen stellen oder sich auf die niedrigen Trennwände zwischen den Logen setzen.

Das Ballett galt bereits in der zaris-tischen Zeit als Domäne der Russen, viele namhafte Choreografen des 20. Jahrhunderts stammten aus Russ-land, waren von der Moskauer und Petersburger Ballett-Schule geprägt oder entscheidend beeinflusst. Das Bolschoj-Theater steht mit seiner be-rühmten Ballett-Truppe wie eh und je außer jeder Konkurrenz. Der Tänzer Vaclav Nishinskij, Mitglied der legen-dären Truppe Ballet Russe des Sergej Djagilev, begeisterte vor dem Ersten Weltkrieg ganz Europa und die Neue Welt. Seit der Uraufführung von Pjo-tr Iljitsch Tschaikovskijs Schwanensee 1877 gehört dieses Ballett weltweit zum Standardprogramm der großen Ballettbühnen. Der Komponist Igor Stravinskij schrieb kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs mehrere Bal-lette, die noch heute zum Repertoire

Rechts: Das italienische Restaurant Ligurija am Neuen Arbat.

Foto: Günter Nelles

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